My friend posted this today….Lottebloggt@wordpess.com

Gervinuspark Essen Frohnhausen:

Seit einiger Zeit hat eine Gruppe Sinti und Roma die Sitzbänke und eine Wiese für sich entdeckt. Sobald das Wetter gut ist, strömen sie in Scharen von Familienverbänden herbei und lassen sich dort nieder. Sie stehen und sitzen laut gestikulierend herum, hören Musik, essen und trinken und hinterlassen jeden Tag einen riesigen Berg Müll. Nachdem immer wieder das Ordnungsamt gerufen wurde, dürfen sie jetzt nicht mehr Grillen, was ihrer Freude an ihren Treffen keinen Abbruch tut.

Ältere Menschen, die seit Jahr und Tag im Sommer auf den Bänken sitzen, fühlen sich “ihres Platzes” beraubt, Familien durch den aggressiven Ton gestört, den auch die “Zigeunerkinder” auf dem Spielplatz an den Tag legen. Eine Diskussion mit ihren Eltern ist schwierig, nicht nur wegen der Verständigungsschwierigkeiten, sondern auch, weil ein sehr hohes Gewaltpotential vorherrscht.

Ja, es ist ein Problem.

Auf dem Spielplatz stehen jetzt die “Gebildeten” und die “Asis”, die in den letzten Jahren eine Art Kleinkrieg darum geführt haben, ob am Sandkasten geraucht werden darf, Wassereis schädlich oder in Ordnung ist und wie man miteinander und mit den Kindern kommuniziert in vereinter Front gegen das “Pack”.

Das ist auch ein Problem.

Als ich heute nach längerer Zeit auch mal wieder mit meiner Tochter auf den Spielplatz ging und etwas abseits mit meinen Studienunterlagen dasaß, wobei ich zwischendurch den Kindern beim Spielen zusah, geschah es:
Die “Zigeunerkinder” kamen. Und wie immer hatten sie kein Spielzeug. Wie immer waren sie gespannt wie Flitzebogen, was verständlich ist, wenn man den halben Tag angebrüllt und geschlagen wird und sie wollen auch gerne einen Eimer haben und eine Schaufel. Und es muss übel sein, wenn man egal wo man hinkommt schon mit Abscheu und negativer Erwartungshaltung empfangen wird. Aber sie sie setzen und stellten sich lediglich zu den anderen Kindern. Sie wollten einfach nur spielen.

Alle Eltern erstarrten. Sie warteten geradezu, dass etwas passiert. Einige Eltern holten ihre Kinder gleich aus dem Sandkasten, der Rest beäugte mit Adleraugen das Geschehen, um den eigen Nachwuchs im Falle des Falles “beschützen” zu können. Und natürlich geschah etwas- alle Kinder streiten mal oder bewerfen sich mit Sand. Es war eines von den “normalen” Kindern, das Streit anfing, wegen einer Nichtigkeit, die sonst auch wie eine behandelt würde und das “Zigeunerkind” hat lediglich reagiert.

Die Mutter rannte an den Ort des Vorfalls und schrie “Jetzt reicht es. Schlag zurück Justin. Wir lassen uns das hier nicht mehr bieten. Das ist unser Spielplatz. Ich will, dass Du Dich vernünftig wehrst. Wenn ihr Euch nicht benehmen könnt, geht dahin wo ihr herkommt ihr Zigeunerblagen, ihr habt hier eh nichts zu suchen. Noch ein Vorfall und ich werde handgreiflich. Scheiß Pack!”

Ich konnte nicht mehr. Ich ging dazu und fragte “Was geht hier eigentlich vor- sind Sie von allen guten Geistern verlassen?” Die Mutter “Halten Sie sich da raus. Irgendwer muss den Zigeunern hier mal Einhalt gebieten!” Ich “Das sind Kinder!” Die Mutter “Ist mir scheißegal. Ich will nicht, dass mein Sohn mit ihnen spielt!” Ich “Und ich will nicht, dass meine Tochter hier etwas derart Asoziales erleben muss.” Sie “Wollen Sie mir etwas sagen ICH sei asozial? Ich “Ja.” Sie “Ich glaube hier passiert gleich was.” Ich “Ja. Das glaube ich auch.” Sie “Sie wissen einfach noch nicht was hier abgeht.” Ich “Doch.” Sie “Nein. Die Zigeunerkinder haben meinen Sohn neulich zusammengeschlagen.” Ich “Welche Kinder?” “Ja die scheiß Zigeunerkinder.” “Sie meinen diese Kinder hier?” “Ist doch egal. Irgendwelche scheiß Zigeunerkinder.” Ich “Ich will, dass sie hier sofort verschwinden.” Sie “Nein. Ich verlasse unseren Spielplatz nicht. Die gehen.” Ich “Nein. Sie.” Die Mutter schreit zu allen anderen Eltern rüber “So weit ist es jetzt schon. Diese Wahnsinnige ist auf der Seite der Zigeuner hier. Ich und Justin gehen nicht. Jetzt sagt doch endlich mal etwas. Ihr seid doch meiner Meinung.”

Die Eltern stehen da. In Reih und Glied. Der Arzt neben dem Bauarbeiter, die Kassiererin neben der Sozialpädagogin, die Hartz Vier Empfänger neben ihren einstigen “Feinden”, den Journalisten. Keiner sagt etwas. Ich sage “Ich will, dass Sie sich dazu jetzt äußern.” Eine Mutter sagt “Ja aber…das geht hier echt nicht so weiter.” Zustimmendes Gemurmel von allen.

Eines von den “Zigeunermädchen” kommt zu mir und sagt “Ich heiße Chanel. Wir sind heute zum ersten Mal hier. Mein Bruder hat nichts getan. Dieser Junge hat ihm Sand in die Augen geworfen. Ich habe Angst.”

Ich habe auch Angst. Und empfinde Verzweiflung. Und eine grenzenlose Wut. Ich habe das Gefühl, dass etwas Furchtbares passiert. Mitten auf einem Spielplatz. Mitten zwischen Kindern. Etwas, dem die Eltern neben uns und die draußen auf den Bänken, die glücklicherweise mit ihrem Essen und ihrer Musik beschäftigt sind und von all dem nichts mitbekommen, so dass es nicht zum Eklat kommt-zumindest noch nicht- nicht gewachsen sind.

Ich sage “Das, was hier gerade passiert, ist Rassismus. Etwas, das zu Grauenhaftem führen kann. Was wir alle wissen müssten. Ich schäme mich. Ich schäme mich für uns alle. Und ich bleibe mit diesen Kindern hier.”

Die Mutter geht zu den anderen Eltern. Es wird wild diskutiert. Ich höre nicht mehr zu. In meinem Kopf rauscht es. Als Chanel und ihr Bruder beginnen mit meiner Tochter zu spielen, die mit ihnen ihr Sandspielzeug teilt, muss ich meine ganze Kraft zusammennehmen, um nicht zu weinen. Zwei Stunden lang. Als alle anderen schon gegangen sind, spielen sie immer noch. Und ich sitze daneben.

Ich weiß auch nicht wie das weitergehen soll…

One thought on “My friend posted this today….Lottebloggt@wordpess.com

  1. Der Konfikt hat schon lange vor dem Sandwerfen begonnen.
    Immer wenn sich Menschen gruppieren, bilden sich Machtblöcke.Was bei ein oder zwei “Neuzugängen” toleriet wird, ist bei einer größer werdenden Ansammlung von Fremden schnell als bedrohlich empfunden. Wenn deren Umgang miteinander lauter als der gewohnte Geräuschpegel ist, verstärkt das den Eindruck.

    Ob studiert, oder von jeglicher Bildung unverdorben, das menschliche Territorialverhalten löst die gleichen Verhaltensmuster aus: Verteidigung des Reviers.

    Nur eins kann einen solchen Konfikt entschärfen: die Konzentration von etnischen Gruppen in den Stadtteilen begrenzen (in einigen essenern Straßen geht die Polzei nicht unter Manschaftsstärke zum Einsatz) und die Integration mittels Spachschulungen und Aufgaben in der Gemeinde vorantreiben,damit das Bild der Fremden mit positiven Erlebnissen verbunden wird.

    Da die Gelder für ein Haushaltsjahr vergeben werden, ist mit kurzfristigen Änderungen kaum zu rechnen, es sei denn es werden Eskalationen befürchtet.

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